Baumschnitt

Kappungen von Starkästen verursachen Pilzbefall <br>© Dr. Daniel SlamaBaumschnitt ist eine Kombination aus Handwerk, Ingenieurwesen, Naturwissenschaft und Kunst. Wie überall dort, gibt es beim Baumschnitt wenig Exzellenz, viel Mittelmaß und Einiges an Pfuscherei. Dieser Eindruck drängt sich zumindest aufmerksamen BaumbeobachterInnen auf, die sich etwas mit Physiologie und Statik befasst haben.
Das wäre weiter nicht schlimm, wenn falsche Schnitte nicht zwangsweise einen Befall durch Pilze nach sich ziehen würden. Pilzbefall kann in der Folge gefährliche Bruchversagen an Ästen oder anderen Baumteilen verursachen.
Auch tierische Parasiten wie manche Käfer, Motten & Co nützen Schwächungen von Bäumen durch unsachgemäße Baumschnitte zu deren Vorteil und lösen dadurch gelegentlich Schadensfälle aus.

Die Verantwortung für Schäden durch Bäume oder deren Teile tragen üblicherweise die EigentümerInnen der Baumstandorte. Nicht nur deshalb, sondern auch zum Wohle vieler Bäume sowie aus wirtschaftlichen Gründen sind eine periodische Baumkontrolle und die Beauftragung von Profis für Baumschnitte sinnvoll. Denn es reicht schon, wenn unsachgemäße Schnitte Blüten- und Fruchterträge mindern, Bäume schädigen, oder gar deren Tod als Spätfolge herbei führen.


Offene Faulstelle im Stammkopf nach falschem Schnitt <br>© Dr. Daniel SlamaMit „Schnittsünden“ wurden vielerorts beachtliche in Bäumen verkörperte Werte zerstört, ohne Schadenersatz dafür zu leisten. Schon deshalb sollte bei Baumschnitten nicht „am falschen Platz gespart“ werden. Die Beauftragung von Fachleuten in Person von professionellen BaumschneiderInnen rechnet sich im Normalfall. In Österreich sind Schnitte an Bäumen (und Sträuchern) zu gewerblichen Zwecken den GärtnerInnen und konzessionierten Baum- bzw. GehölzpflegerInnen vorbehalten.

Gewerbeberechtigungen sind zwar keine 100%igen Garantien für fachgerechte Arbeiten, aber Hinweise auf ein Mindestmaß an einschlägigen Kenntnissen bei den BerechtigungsträgerInnen. Außerdem bieten befugte Unternehmen den AuftraggeberInnen Sicherheiten bei Ersatzansprüchen im Falle von Schäden während der Ausführung gewerblicher Tätigkeiten.

BIOSECURITY vereint biologische und statische Kenntnisse auf dem Stand von Wissenschaft und Technik, um fachgerechte Baumschnitte zu planen, zu erklären und auszuführen.

Baumschnitte dienen verschiedenen Zwecken. Neben vielfacher Barbarei, spontanen Experimenten und Frustkompensationen an Bäumen gibt es bewährte Praktiken und lautere Motive.


Formschnitte sind Geschmacksfrage <br>© Dr. Daniel SlamaAbseits der eigentlichen Gehölzpflege bilden Formschnitte eine eigene Disziplin. Dabei werden den Bäumen meist aus optischen Gründen unnatürliche Wuchsformen aufgezwungen. Manche Baumarten vertragen Formschnitte recht gut, andere weniger bis überhaupt nicht, wie z.B. die allermeisten Nadelbäume.

Im Gegensatz dazu sollten Schnitte im Rahmen von Baumpflege möglichst zurückhaltend erfolgen. Dies ist auch deshalb wichtig, weil das für Langlebigkeit und Verkehrssicherheit von Bäumen entscheidende Dickenwachstum von der Blattmasse abhängt, die mit jedem Schnitt abnimmt.

Schnitte in Zuge der Baumpflege dienen unterschiedlichen Zwecken.
Zum Einem ist dies die überwiegend im Feinastbereich durchgeführte Kronenpflege mit Maßnahmen wie Entfernungen steiler Äste, Druckzwiesel, Totholz usw.
Bei Kronenauslichtungen erzielen Schnitte die gewünschten Ausdünnungen im Schwachastbereich, Reduktionen junger Ständer und Wasserreiser sowie gelegentliche Einkürzungen von Kronenteilern.
Mit Hilfe von Kronensicherungsschnitten werden Kronen von erhaltenswerten Bäumen mit erheblichen Defekten zwecks Gewährleistung der Verkehrssicherheit teilweise abgenommen.


Revigorationsschnitte bewirken eine Revitalisierung von Bäumen durch Verkürzung von inneren Transportwegen. Mit gezielten Schnitten zur Eindämmung des Kronenwachstums in die Höhe und Breite kann man das Leben überalterter Bäume entscheidend verlängern.
Oft sind auf Grund von statischen Mängeln oder wegen baumumfeldbedingter Gründe Schnitte zwecks Einkürzungen einzelner Kronenteile notwendig.
Auch die bei allgemeinen Kroneneinkürzungen überwiegend im Grob- und Starkastbereich geführten Schnitte dienen meist der Wiederherstellung von Verkehrssicherheit.
Wegen verbreiteter „Schnittsünden“ wie Kappungen von Stämmen, Stämmlingen und Starkästen sind auch Kronenaufbauschnitte häufig notwendig.

Baumschnitte müssen nicht nur auf konkrete gehölzpflegerische Ziele, sondern auch auf die natürlichen Wuchsformen abgestimmt sein. Denn jeder Schnitt an Bäumen löst genetische Reparaturprogramme aus, welche die Natur für den Fall von Verletzungen vorgesehen hat. So werden die spezifischen Wuchsformen von Bäumen auch nach einschneidenden Ereignissen wie Sturmschäden, Blitzschlag, Verbiss usw. beibehalten.


Vor mehreren Jahren untersuchten Baumbiologen die charakteristischen Wuchsformen der bekannten Baumarten und ordneten sie später insgesamt 23 Kronenarchitekturmodellen zu. Mehr als die Hälfte davon sind für Mitteleuropa relevant, einige davon dort weit verbreitet. Zumindest diese wenigen Kronenarchitekturmodelle sollten hiesigen Baumpflegern geläufig sein.

Wichtig ist auch die Frage nach dem richtigen Schnittzeitpunkt. Hier scheiden sich manche Geister, insbesondere was Laubbäume angeht. Grund dafür sind unterschiedliche Prioritäten von Baumschnitten. Einerseits zeigen Schnitte um den Frühjahrsaustrieb die beste Überwallung von Schnittwunden. Andererseits lösen spätere Schnitte bessere Schutzreaktionen gegen Holz zerstörende Pilze aus. Diese Fähigkeit, mittels chemischer Einlagerungen im Holzinneren Barrieren gegen Pilze aufzubauen, ist bei den Baumarten unterschiedlich stark ausgeprägt, was bei Schnitten jeweils zu berücksichtigen ist.

Im Frühjahr ist darauf zu achten, dass keine Vögel, Nester oder Eigelege bei Baumschnitten zu Schaden kommen.
Späte Sommerschnitte bergen Risiken von späteren Frostschäden an neuen Zweigen, die nicht genügend ausgereift sind.


Rückschnitte im Frühjahr oder -herbst lassen Bäume voll durchtreiben. Sommerschnitte bremsen hingegen das Baumwachstum, da die assimilierenden Blattflächen zu einem Zeitpunkt verringert werden, wo sie Reservestoffe für das kommende Frühjahr produzieren.
Fachgerechte Baumschnitte berücksichtigen bei der Wahl des Zeitpunktes nach Möglichkeit auch anatomische Unterschiede. Nadelbäume werden am Besten erst ab August, Laubbäume ab deren Mobilisierungsphase Anfang März geschnitten. Der beste Zeitpunkt bei Letzteren variiert zusätzlich, je nachdem, ob es sich um zerstreutporige oder ringporige Bäume handelt.

Auch bezüglich Schnitttechniken wurde die Lehrmeinung völlig revidiert. Auslöser dafür waren Forschungsergebnisse des amerikanischen Dendrologen Shigo über die Abschottung von Baumwunden, welche er auch Fachkreisen in Deutschland präsentierte. In der Folge entwickelten Holzbiologen die „Hamburger Schnittmethode“. Letztere, wie auch die nach Ersterem benannten „shigo-cuts“ sind weniger die vielzitierte Revolution der Schnittführung in der Baumpflege, als eine Rückkehr zu uraltem Wissen. Dieses war verloren gegangen und wurde dank der Wissenschaft erst gegen Ende des letzten Jahrhunderts wiederbelebt.

Baumschnitte von BIOSECURITY beruhen auf definierten Zielen, der Berücksichtigung von natürlichen Kronenarchitekturmodellen sowie auf richtigen Zeitpunkten und Schnitttechniken.