Wespen

Französische Feldwespe mit unverdient schlechtem Ruf <br>© Dr. Daniel SlamaAllein das Wort Wespen flösst Vielen Respekt ein. Dies, weil sofort an die Giftstachel der staatenbildenden Echten Wespen gedacht wird. Tatsächlich wird der bei solitär lebenden Wespen zum Beutefang genutzte Stachel bei diesen Arten zur Verteidigung eingesetzt. Bei Gefahr geben deren Arbeiterinnen Pheromone ab, welche in „Luftgeschwindigkeit“ die Artgenossinnen alarmieren und in Stichbereitschaft versetzen. Dies erklärt die seltenen „Blitzangriffe“ und den schlechten Ruf ganzer Wespenfamilien.

Faltenwespen, welche ihren Namen wegen der, im Ruhezustand der Länge nach gefalteten Vorderflügel tragen, bilden nur eine kleine Familie innerhalb der Hautflügler. Genau genommen sind Faltenwespen näher mit Ameisen verwandt, als mit Pflanzenwespen. Dies ist daran zu erkennen, dass Faltenwespen und Ameisen - wie auch Bienen und die zahllosen kleinen parasitären Wespenfamilien - eine eingeschnürte „Wespentaille“ haben, die den Pflanzenwespen abgeht.

Die allermeisten Wespen sind - wie Bienen - ausgesprochen nützlich. Oft leben sie als Räuber oder Parasiten anderer Insekten - einschließlich diverser Wespen. So hat praktisch jede Pflanzenwespe ihre Parasiten unter den Brack-, Erz- und Schlupfwespen.


Kohlrüben-Blattwespe <br>© Michael Becker / WikipediaSchädlinge unter den heimischen Wespen sind lediglich einzelne Pflanzenwespen aus den Familien der Echten Blattwespen, der Gespinstblattwespen, der Holzwespen und Halmwespen. Beispiele sind die im Gartenbau relevante Kohlrübenblattwespe Athalia colobri und die Kleine Fichtenblattwespe Pietiphora abietina bzw. die Gemeine Fichtengespinstblattwespe Cephalcia abieti als Fichtenschädlinge sowie die Getreidehalmwespe Cephus pygmaeus als Feldschädling an Weizen, Roggen und Gerste. Die Blaue Kiefernholzwespe Sirex juvencus verursacht Schäden, wenn befallenes Fichten-, Kiefern- oder Tannenholz frisch verbaut wird. Die Larven fressen sich gegen Ende der mehrjährigen Entwicklung bei Bedarf selbst durch Dampfsperren und dünne Bleche, die den Weg ins Freie versperren.

Abgesehen von Problemen mit Forst-, Garten-, Feld- und Holzschädlingen unter den Pflanzenwespen, werden hierzulande Faltenwespen saisonal lästig bis gefährlich.

Letztere sind anpassungsfähige Allesfresser und ernähren sich überwiegend von Insekten. Dabei vernichten sie viele Schadorganismen. Außerdem nehmen sie süße Pflanzensäfte auf und wirken als Bestäuber mancher Pflanzen. Wenn Beuteinsekten in der Natur abnehmen und die Wespenpopulationen boomen, fressen sie an reifen Früchten und verschmähen weder Marmelade, Schinken, noch Fleisch oder Fisch. Dabei werden manche Faltenwespen ziemlich aufdringlich.


Innenaufbau von Wespennest : Ingenieurkunst vom Feinsten <br>© Dr. Daniel SlamaStiche, die bei manchen Personen gefährliche Allergien durch Eiweißinkompatibilität auslösen können, sind deshalb vorprogrammiert. Allergien auf Wespen- oder Bienenstiche, welche etwa 4 % der mitteleuropäischen Bevölkerung betreffen und im Extremfall zu tödlichen anaphylaktischen Schocks führen, scheinen in Zunahme begriffen. Bei Allergien gegen Wespen- oder Bienengift sollte während der kritischen Jahreszeit immer ein Notfallset in Reichweite sein. In derlei Fällen ist eine Hyposensibilisierungstherapie, die einen Schutz von über 80 % bieten soll, zu überlegen.

Im Gegensatz zu Bienen und Ameisen werden die Völker der heimischen sozialen Wespen im Frühjahr von den - einzig den Winter überlebenden - Königinnen gegründet. Diese legen wenige Eier in zuvor aus zerkautem Holz an geeigneten Niststellen gebaute Brutzellen und ziehen die Larven mit Insektenbrei auf. Später übernehmen die Töchter die Aufzucht neuer Arbeiterinnen. Die Königin lebt fortan nur noch für die Eiproduktion.

Die wachsende Zahl an Arbeiterinnen kümmert sich um die Nahrungsversorgung, den Ausbau und die Verteidigung des Nestes. In der warmen Jahreszeit schlüpfen auch fortpflanzungsfähige Weibchen und Männchen. Diese verlassen die Nester synchron und paaren sich mit Geschlechtstieren anderer Völker.


Königin der Deutschen Wespe <br>© Soebe / WikipediaIm Herbst sterben fast alle Wespen mit Ausnahme der befruchteten jungen Weibchen. Diese suchen zum Überwintern geeignete Unterschlüpfe auf, um im Frühjahr neue Staaten zu gründen. Die Nester werden unter der Erde, in Hohlräumen, oder freihängend an Bäumen oder Gebäuden angelegt. Unter den in Österreich lebenden Faltenwespen sind vor allem die beiden ersten der folgenden Arten von Bedeutung. Fast alle Stiche gehen auf das Konto dieser Kurzkopfwespen. Andere Faltenwespen sind in der Regel ungefährlich und stechen meist nur in allernächster Nähe zum Nest.

Die häufige, bis 2 cm lange Deutsche Wespe Vespula germanica kann bis zu 2 Meter große, meist unterirdisch, fallweise auch hinter Verschalungen angelegte und bis auf ein Schlupfloch kartonartig umhüllte Nester mit bis zu 10.000 Individuen bilden. Diese Art ist an 1-3 schwarzen Punkten am Kopfschild und der gelben Augenumrandung zu erkennen.

Die ihr ähnliche Gemeine Wespe Vespula vulgaris ist mit 19 mm Körpergröße etwas kleiner und hat einen zackigen Längsstreifen am Kopfschild sowie eine schwarze Umrandung hinter den Augen. Sie baut ebenfalls unterirdische Nester, wenn auch mit weniger Individuen.

Die 17 mm kleine Sächsische Wespe Dolichovespula saxonica bildet kleine, meist frei an Dachvorsprüngen und anderen geschützten Stellen hängende Nester mit drei Hüllen. Sie hat schwarze Längsflecken am zahnartigen Vorsprung des Kopfschildes.


Hornissennest <br>© Dr. Daniel SlamaZu den Wespen zählt auch die Hornisse Vespa crabo, welche auf Grund der eindrucksvollen Größe von 35 mm und ihrem eindrucksvollen Fluggeräusch einen unverdient schlechten Ruf hat. Tatsächlich sind Hornissen zumeist friedlich. Sie ernähren sich zum Teil von anderen Faltenwespen.

Die Giftwirkung von Hornissenstichen wird maßlos übertrieben. Im Gegensatz zu den übrigen Wespen, welche 60-100 mg Gift speichern, beträgt die Giftmenge der Arbeiterinnen bei den Hornissen 160-190 mg, jene der Bienen 150-250 mg. Die Gifte von Bienen und Wespen, jeweils Gemische aus Proteinen, Peptiden und niedermolekularen Substanzen, sind sehr unterschiedlich, ähneln sich aber innerhalb der beiden Familien. Man geht davon aus, dass eine lebensgefährliche Vergiftung bei Erwachsenen erst nach weit über Hundert Wespenstichen eintritt.

Wespen sollten nur bei Gefahr für die Gesundheit von Menschen und Tieren bekämpft werden. Als alternative Gefahrenbeseitigung bieten sich Wespenumsiedlungen an. Leider mangelt es an Verständnis für den erhöhten Aufwand von Wespenumsiedlungen. Hinzu kommt, dass GrundeigentümerInnen, welche den wehrhaften Umsiedlern Asyl bieten wollen, sehr rar sind.