Wanzen

Geringelte Mordwanze sorgt gratis für Schädlingsbekämpfung <br>© Georg Slickers / WikipediaDie welweit etwa 40.000 Arten aus der Ordnung der Wanzen haben unterschiedlichste Lebensräume zu Lande, zu Wasser und in der Luft erobert. Vertreter der Gattung Halobates besiedeln - als einzige bisher bekannte Insekten - sogar die Meeresoberfläche.

Wanzen verzichten während der Entwicklung auf eine vollständige Verwandlung, so dass Larven den ausgewachsenen Exemplaren ähnlich sehen.

Von den etwa 800 in Mitteleuropa lebenden Wanzenarten sind nur wenige gelegentlich als Schädlinge einzustufen. Die meisten Wanzen sind ausgesprochen nützlich, insbesondere wenn sie sich räuberisch von Pflanzenschädlingen wie Blattläusen, Thripsen etc. ernähren. Allerdings sollte man zu Wanzen vorsichtshalber Distanz wahren, da viele Wanzen Stinkdrüsen zur Verteidigung einsetzen. Diese enthalten Gifte sowie fettlösende Substanzen, welche die Schutzschicht räuberischer Insekten schnell auflösen und das Gift in den Körper derartiger Angreifer eindringen lassen. Von räuberischen Wanzen werden gelegentlich auch schmerzhafte Stiche ausgeführt, wie zB von Raubwanzen der Gattung Reduvius oder den zum Teil im Wasser lebenden Rückenschwimmern der Gattung Notonecta. Betroffene berichteten auch von leidvollen Erfahrungen mit den überwiegend räuberisch lebenden Blumenwanzen.


Gemeine Bettwanze : einst weit verbreitet, heute seltener <br>© Piotr Naskrecki / WikipediaAus Tradition fokussiert das Interesse hierzulande auf die kleine Familie der Haus- alias Bettwanzen, welche durchwegs als Schmarotzer leben. Deren Stiche sind schmerzfrei, um den Wanzen die lebenswichtige und langwierigen Blutmahlzeit zu ermöglichen. Oft erfolgen mehrere Stiche unweit voneinander entfernt. Später können unterschiedliche Hautreaktionen einschließlich Juckreiz, Allergien, Papelbildung etc. auftreten. Die Frage, ob heimische Bettwanzen die Gesundheit von Menschen beeinträchtigen, bleibt umstritten. Berichten zu Folge übertragen sie in manchen Regionen die Kala-Azar-Krankheit und das Rückenfallfieber.

Prominentester heimischer Vertreter der Bettwanzen ist die einst weit verbreitete Gemeine Bettwanze Cimex lectularius. Diese Art ist in Österreich auf Grund der veränderten Lebensumstände immer seltener anzutreffen. Diese 3-8 mm kleinen, nachtaktiven Insekten halten sich gerne in Wohnbereichen, am liebsten in den Schlafzimmern in der Nähe ihrer Opfer auf. Sie ernähren sich vom ersten Larvenstadium an von Blut, wobei neben Menschen auch andere Wirbeltiere, einschließlich Mäuse und Geflügel heimgesucht werden. Aus den Eiern schlüpfen nach etwa 10 Tagen die Nymphen, welche sich über 5 Zwischenstadien zu fertigen Insekten entwickeln. Die Entwicklung vom Ei zum erwachsenen Insekt dauert ca. 4-8 Wochen.


Im Zuge der Blutmahlzeiten verfärben sich die hellen bis durchscheinenden Tiere dunkelrot und vervielfachen ihr Körpervolumen. Die Gemeine Bettwanze saugt Blut, bis sie zu platzen scheint. Um anschließend wieder in das oft sehr enge Versteck zu gelangen, erbricht das Tier notfalls einen Teil des aufgesogenen Blutes. Bei Wirtsknappheit überstehen erwachsene Exemplare 6 Monate ohne Nahrung, die Larven sogar 9 Monate! Sie erreichen ein Alter von mehreren Monaten, wobei die Weibchen bis zu einigen Hundert weißer, ovaler, ca. 1 mm kleiner Eier ablegen, so ferne sie zuvor eine Blutmahlzeit hatten.

Zu den Bettwanzen zählt auch die Taubenwanze C. columbarius, welche gelegentlich über Fenster in Wohnungen eindringt. Um nachhaltigen Schutz zu gewährleisten, ist es nötig, das Problem an der Wurzel dank gezielter Taubenvergrämung zu lösen.

Schwalbenwanzen Oeciacus hirundis sind weitere heimische Vertreter der Bettwanzen, welche nach Abflug der Schwalben gegen Süden auf der Suche nach neuen Wirten gelegentlich Menschen befallen.

Auch Fledermauswanzen C. pipistrellus können bei Verlust der natürlichen Wirtstiere in angrenzende Wohnräume eindringen und auf Menschen übergehen.


Platanen-Netzwanze <br>© Serafo / WikipediaDie stechend-saugende Ernährungsweise der Wanzen bedingt auch Risken für andere Wirte. Während manche Wanzen in den Tropen gefürchtete Pflanzenschädlinge sind, verursachen pflanzensaugende Arten in Mitteleuropa nur gelegentlich ernste Schäden. Mehrheitlich sind diese Wanzenarten auf bestimmte Wirtspflanzen spezialisiert. Neben den Stichwunden, welche Pilzinfektionen begünstigen, werden den Wirtsorganismen lebenswichtige Substanzen entzogen, was bei starkem Befall zum Absterben der Pflanze führen kann.

So spielt unter den ca. 70 regionalen Arten der nach ihrer Hinterflügelstruktur benannten Netz- oder Gitterwanzen die Birnblattwanze Stephanitis piri eine Rolle im regionalen Pflanzenschutz.

Optisch ähnlich hinsichtlich der Flügel sind die Meldenwanzen. Zu diesen gehört die Rübenwanze Piesma quadrata, welche ein Beispiel dafür ist, dass Wanzen auch auf pflanzliche Wirte Krankheiten übertragen. Beim Saugen überträgt diese Art die für die Kräuselkrankheit der Rübenblätter verantwortlichen Viren, ist heute allerdings von nur geringer Bedeutung.


Graue Stinkwanze <br>© Dr. Daniel SlamaAuch unter den Blind- oder Weichwanzen finden sich Arten, die fallweise Schäden an Getreide und anderen Kulturpflanzen anrichten. Beispiele dafür sind die Graswanzen der Gattungen Stonodema und Notostira sowie die Langhaarige Dolchwanze Leptopterna dolobrata.

Die Gemeine Zierwanze Adelphocoris lineolatus befällt Klee und andere Schmetterlingsblütler.

Die Behaarte Wiesenwanze Lygusrugulipennis saugt an verschiedensten Nutzpflanzen von Salaten bis Pfirsichen.

Auch Schildwanzen wie die Getreidewanze Eurygaster maura oder Baumwanzen wie der Spitzling Aelia acuminata können bei Massenaufkommen Schäden im Pflanzenbau hervorrufen, doch handelt es sich dabei um Ausnahmefälle.

Manche Baumwanzen wie die Beerenwanze Dolycorus baccarum überziehen Früchte mit ekelerregenden Sekreten und machen sie dadurch ungenießbar.

In diesen Breiten treten Wanzen häufiger als Lästlinge auf, zB wenn sie in Massen zur Überwinterung in trockene Wohnbereiche eindringen, wie es bei der Grauen Stinkwanze Raphigaster nebulosa gelegentlich der Fall ist.