Schaben

b_0_127_16777215_0___images_pics_schaben1.jpgDie mit den Gottesanbeterinnen verwandten Schaben (Blattaria), deren Name von der schabend-kauenden Ernährungsweise abgeleitet ist, zählen zu den urtümlichsten Insekten. Betrachtet man die weite Verbreitung einzelner Schabenarten, welche auch in modernsten Gesellschaften gedeihen, muss man dabei von wahren Erfolgsmodellen der Evolution aus der zukunftsträchtigen Klasse der Insekten sprechen.

Von den mehr als 3500 bekannten Schabenarten leben die meisten als harmlose Waldbewohner in den Tropen. Weniger als ein Prozent davon sind so genannte „Kulturfolger“ des Menschen. Zwei Arten davon haben eine nahezu weltumspannende Verbreitung erreicht. Diese werden als Schädlinge gefürchtet, da sie Krankheitserreger auf Menschen und Tiere übertragen können. Darunter finden sich vor allem Bakterien wie Staphylo- und Streptokokken, wovon Erstere nicht nur Entzündungen, sondern auch Lebensmittelvergiftungen durch ausgeschiedenes Staphylotoxin hervorrufen können, weiters Enterokokken als Verursacher von Entzündungen in Darm und Urogenitalbereich sowie von Lungenentzündungen, Colibakterien sowie verschiedene Salmonellen. Auch Spulwürmer sowie humanpathogene und toxinbildende Pilze werden von diesen Schabenarten übertragen.

Ausserdem hinterlassen diese Tiere Allergene auf den von ihnen frequentierten Lebensmitteln, worauf sensible Personen reagieren.


Beim monitoring auf den Leim gegangen - Orientalische Schaben in verschiedenen Entwicklungsstadien <br>Foto: Dr. Daniel SlamaBei ihren Streifzügen auf der Suche nach Futterquellen verschleppen sie Kranheitserreger, Fäulnisbakterien und Schimmelpilzsporen. Einerseits haften die Keime außen am Körper, andererseits befinden sie sich im Verdauungstrakt, wo sie sich zum Teil auch vermehren. Die Kotabgabe der Schaben, sowie ihre Unart des Erbrechens am Fraßort verursachen Kontaminationen der frequentierten Lebensmittel.

Die möglichen Beeinträchtigungen der Gesundheit von Menschen haben Schaben - auch in unseren Breiten - zu den wichtigsten Zielorganismen in der Überwachung und Bekämpfung von Schädlingen gemacht.

Schaben sind meist dämmerungs- bis nachtaktiv und zeigen sich nach Sonnenuntergang bzw. vor Sonnenaufgang am aktivsten. Die hygienisch relevanten Arten synchronisieren ihre Aktivitätsrhythmen auf regelmäßig vorherrschende Zeitgeber wie Kunstlicht oder Vibrationen, wie sie bei Schichtwechseln in Betrieben auftreten. Wenn Schaben bei Licht und Lärm in Räumlichkeiten auftreten, handelt es sich meist um Individuen auf der Suche nach geeignetem Unterschlupf, was als untrügliches Zeichen für stärkeren Befall zu deuten ist. Üblicherweise sammeln sie sich tagsüber in Verstecken, wohin eigene Versammlungsbotenstoffe einladen.

Entsprechend der unvollkommenen Verwandlung von Schaben sehen die Larven den erwachsenen Tieren sehr ähnlich.


Amerikanische Schabe, in Österreich selten aber eindrucksvoll <br>Foto: Joăo Estęvăo A. de FreitasAlle Schaben sind wärmeliebend, unter 15° C gerät deren Entwicklung im Normalfall zum Stillstand. Sie sind meist wenig anspruchsvoll, was die Ernährung betrifft. Diese Allesfresser bevorzugen stärke-, zucker-, protein- und fetthältige Nahrung. Bei Hunger verschmähen sie weder Holz, Papier, Textilien, noch Leder oder schwächere bzw. tote Artgenossen.

Am Häufigsten ist die lehmgelbe bis hellbraune Deutsche Schabe oder Hausschabe Blatella germanica. Diese ist an zwei dunklen Längsbändern am Halsschild zu erkennen. Sie ist einer der erfolgreichsten Schädlinge unseres Planeten und nimmt auch in Österreich die Spitzenreiterrolle beim Ungeziefer ein. Vor allem Lebensmittelunternehmen aus Industrie, Handel und Gewerbe wie Gastronomie und Hotellerie sowie Wohnhäuser haben damit Probleme, wenn die hygienischen Rahmenbedingungen nicht entsprechen.

Ihre eindrucksvolle Karriere verdankt diese Art hoch entwickelten Sinnesorganen und spezifischen Charakteristika. Von großem Vorteil erweist sich die geringe Körpergröße von 11 bis 17 mm, welche dank des typischerweise abgeplatteten Körpers den Zugang in kleinste Ritzen und andere Schlupfwinkel ermöglicht. Wie geschaffen für eine moderne Welt aus Stahl, Glas und Kunststoffen sind die spezifischen Haftorgane an den Extremitätenspitzen. Damit kann sie sogar problemlos kopfüber spiegelglatte Raumdecken erschließen.


Deutsche Schaben in der ganzen Welt zu Hause <br>Copyright © 2007 David MonniauxIhre Trümpfe in der Evolution sind die hohe Fortpflanzungsrate und die mütterliche Fürsorge. Die Eikammern mit bis zu 44 Eiern werden über 3 Wochen bis kurz vor dem Schlüpfen mitgetragen und sind so vor den meisten Gefahren geschützt. Selbst kleinste Wespen, welche die Eier anderer Schabenarten erfolgreich parasitieren können, haben so keine Chance.

Frühestens nach 26 Tagen schlüpfen die nur 2-3 mm kleinen Larven aus den Eiern. Die Entwicklung der Larven dauert je nach Temperatur und anderen Umweltbedingungen wie Feuchtigkeit, Nahrungsangebot etc. 1-8 Monate und durchläuft 5-10 Stadien mit vorangehenden Häutungen. Weibliche Larven häuten sich 1-2 Mal öfter als männliche Individuen.
Die erwachsenen Tiere leben etwa 100 Tage lang. In dieser Zeit bildet ein Weibchen durchschnittlich 4-8 Eikammern – so genannte Ootheken - woraus bei günstigen Bedingungen mehr als 200 direkte Nachkommen schlüpfen.

Die Deutsche Schabe hat der Orientalischen Schabe Blatta orientalis in Mitteleuropa den ersten Rang abgelaufen. Letztere, auch Küchenschabe oder im Volksmund Kakerlake genannt, ist etwa 23-28 mm groß und vermisst vergleichbar effiziente Haftorgane. Beim Klettern ist sie deshalb auf raue Untergründe angewiesen.


Braunbandschabe <br>Foto: Dr. Daniel SlamaDie etwas kleineren Männchen sind kastanienbraun und haben Stummelflügel, welche 2/3 des Hinterleibes bedecken. Die flügellosen Weibchen sind schwarzbraun bis glänzend schwarz gefärbt.

Die im Vergleich zur Deutschen Schabe trägeren Tiere bevorzugen eine etwas niedrigere Temperatur um 25°C und benötigen mit 60% Luftfeuchtigkeit einen doppelt so hohen Wert wie ihre kleinen Verwandten.

Das Heranreifen der bis zu 16 Eier in den meist bereits nach 1-2 Tagen abgelegten Ootheken dauert bei ausreichender Wärme etwa 1 ½ bis 2 Monate, die Entwicklung vom Schlüpfen bis zur Geschlechtsreife bei den Weibchen 9-18 Monate. Bei den Männchen ist sie bei 30° C und optimalem Nahrungsangebot auf bis zu 4 Monate reduziert.

Die Weibchen legen während ihres Lebens von rund 180 Tagen durchschnittlich 8 Eikammern und setzen dabei etwa 120 direkte Nachkommen in die Welt.

Von geringer Bedeutung in diesen Breiten sind die Braunbandschabe Supella longipalpa, die Amerikanische Schabe Periplaneta americana, sowie gelegentlich mit Pflanzen oder Lebensmittel aus wärmeren Regionen eingeschleppte Exemplare anderer Arten.