Pilze

Kippversagen nach Wurzelhalsbruch durch Pilzbefall <br>© Dr. Daniel SlamaLange wurden Pilze den Pflanzen zugeordnet. Heute haben echte Pilze ihr eigenes Reich, welches nur zu einem Bruchteil bekannt ist. Es wird seit Ende des 20. Jahrhunderts in die vier Abteilungen der Töpfchen-, Joch-, Schlauch- und Basidienpilze gegliedert.

Die weltweit in Böden und Gewässern verbreiteten Töpfchenpilze verursachen einige Pflanzenkrankheiten, spielen regional aber nur eine untergeordnete Rolle.

Jochpilze ernähren sich entweder aus zerfallenden pflanzlichen und tierischen Partikeln - oder parasitär an Tieren, Pflanzen oder anderen Pilzen. Unter den bislang über 1000 bekannten Arten ist der Gemeine Brotschimmelpilz Rhizopus stolonifer, der auch Früchte wie Erdbeeren befällt, ein häufiger Vertreter.

Zu den mittlerweile über 30.000 bekannten Schlauchpilzen zählen neben vielen Hefe- und Schimmelpilzen, die Morcheln, Trüffeln und Becherpilze. Einige Arten darunter können die Gesundheit von Menschen, Tieren oder Pflanzen beeinträchtigen, andere befallen Holzgegenstände, Leder oder Baumwolle. Auf der anderen Seite hängt die Produktion von Brot, Bier, Wein und vielen Käsesorten von Schlauchpilzen ab.


Brandpilze sind Pflanzenparasiten <br>© James Lindsey / WikipediaUnter den Basidienpilzen finden sich die Ständerpilze mit den Brandpilzen, Rostpilzen und Außensporern. Während Letztere die meisten Speise- und Giftpilze hervorbringen, befallen Brandpilze viele Blütenpflanzen, einschließlich Getreide. Rostpilze sind die bedeutendsten Pflanzenparasiten unter den Pilzen und meist an bestimmte Wirtspflanzen gebunden.

Allgemein bilden Pilze zur Erschließung von Nährstoffen Vegetationskörper (Myzele) aus feinsten Zellfäden, den so genannten Hyphen, aus. Die Ernährung erfolgt mit Hilfe von Enzymen. Je nach Arten werden damit Zellinhaltsstoffe wie Stärke, Zucker, Proteine bzw. Fette oder Zellwandsubstanzen wie Lignin, Zellulose und Polyosen aufgelöst.

Unter den Jochpilzen und den Schlauchpilzen finden sich auch „fleischfressende“ Arten, welche sich von Fadenwürmern oder Gliedertieren ernähren.

Einige gehen symbiontische Verbindungen mit Pflanzen ein und agieren als Mycorrhyza. Als Gegenleistung für Photosyntheseprodukte wie energiereiche Kohlehydrate, sind sie bei der Erschließung von Nährstoffen an den Wurzeln behilflich.


© Dr. Daniel SlamaPilze benötigen meist kein Licht, außer manche Arten zur Ausgestaltung der Fruchtkörper. Speisepilze sind die Fruchtkörper, also nur die oberirdischen Teile der Pflanze während der Fortpflanzungsphase. Im Falle von Holz zerstörenden Pilzen ist deshalb die Entfernung der sichtbaren Fruchtkörper nicht ausreichend. Meist wird eine Bekämpfung erschwert, weil dadurch wichtige Indizien für die Abschätzung des Pilzbefalls abhanden kommen.

Unter den Pilzen gibt es etliche Arten von medizinischer Bedeutung. In der Regel geht es um parasitäre Formen oder um solche, die Vergiftungen durch Toxine verursachen.
Bei solchen Problemen sind unbedingt Ärzte beizuziehen.

Auch unter den freilebenden Pilzen gibt es Arten, welche die Gesundheit beeinträchtigen können. Dazu gehören die unterschiedlichen Gruppen zugehörigen Schimmelpilze (zB Aspergillus, Penicillium etc.), welche auch organische Substrate wie Holz, Dispersion- und Leimfarben, geleimte Tapeten, Textilien etc. befallen. Deren Sporen können Allergien und Asthmaanfälle auslösen. Aus diesem Grund sollte jeder Schimmelpilzbefall im Wohn- bzw. Arbeitsbereich bekämpft werden.
Neben Gesundheitsbeeinträchtigungen können Schimmelpilze naturgemäß Materialschäden verursachen.

In Mitteleuropa sind einige Pilzarten für den Holzschutz von Bedeutung.


Fruchtkörper des Echten Hausschwammes <br>© Dr. Daniel SlamaDer Echte oder Tränende Hausschwamm Serpula/Merulium lacrymans kann die zum Überleben benötigte Feuchtigkeit über weite Strecken mit sich transportieren. Der Pilz kann auf diese Art und Weise Mauern durchwachsen, um anschließende Holzkonstruktionen zu befallen. Er breitet sich unter günstigen Bedingungen jährlich bis zu vier Meter weit aus.

Der schnellwüchsige Braune Keller- oder Warzenschwamm Coniophora puteana/cerebella ist unauffällig, da er selten Fruchtkörper ausbildet. Befallenes Holz weist zumeist nur spärliche, fest am Substrat haftende Myzelstränge auf. Kellerschwammbefall geht meist vom Einbau von ungenügend getrocknetem Holz aus.

Der Weisse Porenschwamm Poria vaillantii/vaporaria als dritthäufigster Hausfäulepilz Österreichs befällt meist Nadelholz. Wie beim Kellerschwamm kommt es meist zu einer verdeckten Befallsausbreitung, zB unter Holzfußböden. Das Myzel wächst kreisförmig und erinnert an Eisblumen. Der helle Fruchtkörper ist stark porös und ähnelt einem Badeschwamm.

Für Holz im Freien ist die Gruppe der Blättlinge in Mitteleuropa von Bedeutung. Sie befallen hauptsächlich Nadelholz. Wie die vorangestellten Arten, verursachen Blättlinge eine Braunfäule, doch handelt es sich hier um Substratpilze. Deren Myzele wachsen im Holz, wobei die Zerstörung oft unbemerkt von innen nach außen fortschreitet.