Nager

Schlagfallen töten selten tiergerecht <br>Foto: Dr. Daniel SlamaProbleme durch Nager entstehen in Mitteleuropa vor allem mit den zu den Langschwanzmäusen zählenden Wanderratten und Hausmäusen.
Beide können Krankheiten auf Menschen und Tiere übertragen. Wie hoch diese gesundheitlichen Risiken tatsächlich sind, vermag niemand zu sagen. In erster Linie vernichten sie Vorräte und bewirken Materialschäden durch Fraß, deren zwanghaftes Nagen, sowie durch Verunreinigung mit Exkrementen.

Weltweit werden Ratten und Mäuse überwiegend mit Rodentiziden bekämpft. Durch falsche Dosierungen können Wirkstoffresistenzen auftreten, was gebietsweise große Probleme schafft. Die Gewöhnung der Nager an rodentizide Wirkstoffe entsteht durch Unterdosierung. Derlei Immunitäten werden an Folgegenerationen weitergegeben. Aus diesem Grund und wegen Vergiftungen von Hunden, welche mangels Sorgfalt bei der Köderausbringung Schäden erleiden, ist die chemische Nagerbekämpfung auf Dauer keine Lösung.

Traditionelle Schlagfallen sind auf Grund damit verbundener Blutspuren, Stress und Qualen sowie dem Misstrauen, mit welchem erfahrene Ratten darauf reagieren, keine geeignete Alternative.


b_0_127_16777215_0___images_pics_nager2.jpgDie einst in Mitteleuropa verbreitete Hausratte Rattus rattus wurde von der eingewanderten Wanderratte und durch das Verschwinden geeigneter Lebensräume wie Scheunen verdrängt. Heute fristet sie in Österreich ein bedrohtes Dasein in verstreuten Restpopulationen.

Die Wanderratte Rattus/Epimys norvegicus ist, anders als die schwärzliche Hausratte, an der Oberseite graubraun und am Bauch weißlich bis hellgrau gefärbt. Ihr Kopf ist massiver und die Ohren sind kleiner als bei der Hausratte. Entgegen allen Horrorberichten erreicht die Wanderratte eine maximale Länge von 25 cm ohne Schwanz und ein Gewicht von 300 g.

Die Lebenserwartung frei lebender Wanderratten überschreitet kaum ein Jahr. In Mitteleuropa leben diese zumeist in Gruppen mit 30 bis 70, selten bis zu 200 Individuen. Sie haben einen ausgeprägten Tastsinn, auch riechen und hören sie sehr gut. Ihr Sehvermögen ist entsprechend der überwiegend dämmerungsaktiven Lebensweise mäßig ausgebildet. Deshalb sehen Ratten auch keine Farben, sondern nehmen nur Graustufen wahr.

Sie sind ausgezeichnete Taucher und können kilometerweit schwimmen. Sie halten sich gerne in Wassernähe auf und selbst kühle Feuchtigkeit scheint sie im Gegensatz zur wärmeliebenden Hausratte nicht zu stören.


Wanderratten besiedeln Kanalsysteme <br>Foto: Wikipedia-User HTOSie haben sich bestens den städtischen Kanalisationen angepasst. Immer wieder tauchen deshalb Ratten aus Klomuscheln auf, sogar in oberen Geschossen mehrstöckiger Gebäude. Vor solchen Begegnungen schützt eine spezielle Klappe im Abflussrohr. Ansonsten kann ein schwerer, herab gelassener Klodeckel neugierigen Ratten diesen Weg versperren.

Wanderratten können hervorragend balancieren und klettern, Letzteres sogar kopfüber an Drähten entlang. Unüberbrückbare Hindernisse werden oft durchgenagt, wobei auch dünnes Metall und Beton den Vormarsch dieser Nager nicht unbedingt stoppen.

In der Not fressen sie fast alle pflanzlichen und tierischen Produkte, nachdem die angeborene Vorsicht überwunden ist. Neuartige Futterquellen werden jüngeren „Vorkostern“ überlassen, bevor die Älteren davon fressen. Dubiose Nahrungsquellen werden gemieden, mit Exkrementen beschmutzt und so für Artgenossen unübersehbar als ungenießbar deklariert.

Wanderratten passen ihre Fortpflanzung den jeweiligen Lebensbedingungen an. Theoretisch kann ein Weibchen bis zu 7 Würfe mit jeweils bis zu 12 Jungen aufziehen. Diese können nach 3-4 Wochen auf sich selbst gestellt, und mit 3 Monaten geschlechtsreif sein. Die errechnete und oft kolportierte Vermehrungsrate von 1000 Nachkommen pro Jahr und Paar ist dennoch höchst unrealistisch.


b_0_127_16777215_0___images_pics_nager4.jpgAuf Grund der Risiken für die Gesundheit von Menschen, Güter und Anlagen ist in Wien seit Jahrzehnten eine vorbeugende Rattenüberwachung per Verordnung vorgeschrieben.

Die 7-11 cm kleine Hausmaus Mus musculus vermehrt sich ähnlich schnell. Ab dem Alter von ca. 3 Monaten werfen Weibchen nach knapp dreiwöchiger Tragzeit bis zu 8 Junge. Der Wurf erfolgt im Nest, für dessen Polsterung Dämmstoffe, Textilien, Bücher etc. zernagt werden.

Frei lebende Mäuse treten in Großfamilien auf, haben Reviere von 15-30 m² und werden ebenfalls kaum älter als 1 Jahr. Sie mögen es trocken und überleben bei feuchtem Futter ohne Trinken. Die Hausmaus legt keine Vorräte an, sondern sucht täglich nach Futter. Bei vielfältigem Futterangebot erweist sie sich als Gourmet, der sich von vielen Häppchen ernährt.

Hausmäuse klettern und springen ausgezeichnet, Letzteres meist in die Höhe, wohin sich primär auch deren Fluchtverhalten orientiert.

Hausmäuse können Erreger von Salmonellose, Listeriose, Maul- und Klauen-Seuche, Tollwut, Paratyphus, Leptospirose, Dermatomykose sowie bestimmter Enteritisformen übertragen. In der Nähe von Menschen empfiehlt sich deshalb - wie auch bei Wanderratten - eine Bekämpfung.


Schwere Schäden in Landwirtschaft und Gärten verursacht gelegentlich die zu den Echten Wühlmausen gezählte Schermaus alias Mollmaus, Wasserratte oder Wühlmausratte Arvicola terrestris. Diese zur Zeit in etwa 30 Unterarten gegliederte, rein vegetarisch lebende Art kann armdicke Wurzeln von Nutz- und Zierpflanzen einschließlich Bäumen abnagen.

Der Wurzelfraß findet im Winter statt, wird allerdings meist im folgenden Frühjahr bemerkt. Primärbiotop sind Uferzonen von langsam fließenden Gewässern, wo sie teilweise oberirdisch lebt. Sie ist eine ausgezeichnete Schwimmerin, deshalb auch der Name „Wasserratte“. In trockeneren Lebensräumen lebt sie unterirdisch. Oft teilt sie sich Gangsysteme mit Maulwürfen, was die Artbestimmung erschwert.

Die maximale Lebenszeit beträgt etwa 3,5 Jahre, doch dürften in freier Wildbahn nur wenige Exemplare älter als 6 Monate werden. Von März bis Oktober wirft das ab ca. 5 Monaten geschlechtsreife Weibchen bis 3 Mal pro Jahr bis zu 7 Junge, welche sie 4 Wochen säugt.