Motten & Co

Kleiner Frostspanner <br>© www.entomart.beNeben weithin bekannten Motten birgt die sympathieträchtige Ordnung der Schmetterlinge zahlreiche Familien mit Arten, die ernste Gefahren für die Gesundheit von Pflanzen darstellen.

Hierzulande von Bedeutung sind abgesehen von einzelnen Vertretern der Echten Motten vor allem manche Zünsler, Wickler, Spanner, Miniermotten, Gespinstmotten, Weisslinge und Eulen. Gelegentlich verursachen auch Arten aus den Familien der Holzbohrer, Schabenmotten, Träg-, Schad- oder Wollspinner, Glasflügler, Fransenmotten, Faulholzmotten und Glucken Schäden in der Land- und Forstwirtschaft.

Da sich Schmetterlinge ausschließlich mit Hilfe eines weichen Saugrüssels ernähren, gehen alle Schäden auf das Konto von Raupen mit ihren beissend-kauenden Mundwerkzeugen.

Neben Fraßschäden verursachen die Raupen der Familie der Prozessionsspinner gelegentlich Probleme für die Gesundheit von Menschen, welche mit ihren Gifthaaren in Kontakt geraten. Deren Familienname ist von den bis zu einem Meter breiten und 10 Meter langen Zügen eng aneinander gedrängter Larven zu den Futterquellen abgeleitet. Wenn solche Prozessionen auf dem Weg zu neuen Futterbäumen Strassen queren, können ernste Rutschgefahren für den Kraftfahrzeugverkehr entstehen.


Kleidermotte <br>© Olaf Leillinger / WikipediaDen größten Bekanntheitsgrad unter den Echten Motten hat die Gewöhnliche Kleidermotte Tineola bisseliella. Ihre Vorfahren hatten sich im Laufe der Evolution darauf spezialisiert, Felle von toten Tieren biologisch abzubauen. Spätestens ab dem Zeitpunkt als Menschen begannen, Felle und Wolle für eigene Bedürfnisse zu nutzen, waren Konflikte vorprogrammiert. Neben weiteren Materialschädlingen wie der Pelzmotte Tinea pelionella, der Fellmotte Monopis laevigella (= rusticella), der Korkmotte Nemapogon cloacella, treten die Kornmotte Nemapogon granellus und die Tapetenmotte Trichophaga tapetzella aus dieser Familie schädlich auf.

Die Zünsler beherbergen weitere prominente Schädlinge. Vorräte werden von der weit verbreiteten Dörrobstmotte Plodia interpunctella, der Mehlmotte Ephestia kuehnellia und dem Mehlzünsler Pyralis farinalis befallen, Nutzpflanzen zB vom Maiszünsler Ostrinia nubinalis.

Unter den heimischen Wicklern finden sich mehrere Forstschädlinge, wie der Eichenwickler Tortrix viridana, sowie Obstschädlinge wie der weltweit verbreitete Apfelwickler Cydia (=Laspeyresia) pomonella, dessen Fraßschäden sich leider nicht auf Äpfel beschränken.

Auch unter den Spannern, welche nach der spannerartigen Fortbewegung ihrer Raupen benannt sind, gibt es Arten, welche Schäden in heimischen Gärten und Wäldern herbeiführen. Beispiele dafür sind der Kleine Frostspanner Operophthera brumata im Obstbau und in Gärten bzw. der Gemeine Kiefernspanner Bupalus piniarius im Forst.


Apfelbaumgespinstmotte <br>© Sarefo / WikipediaGespinstmotten legen Gespinste an, worin sich deren Larven von Blättern ernähren. Gelegentlich kann dies zum Kahlfraß führen. Ein lokaler Vertreter ist die Apfelbaumgespinstmotte Yponomeuta malinellus, welche auch Pfirsich- und Marillenbäume befällt.

Unter den 15 in Mitteleuropa heimischen Weisslingen ist der Kleine Kohlweissling Pieris rapae hervorzuheben. Dieser häufig auftretende Tagfalter verursacht Schäden an Kohl und Kapuzinerkresse.

Die Eulen sind eine sehr artenreiche Familie mit über 500 Arten allein in Mitteleuropa. Sie sind nach der Zeichnung großer eulenartiger Augenflecken an den Vorderflügeln benannt. Darunter finden sich mehrere Forstschädlinge wie die gefürchtete Kiefern- alias Forleule Panolis flammea, die etwa alle 10 Jahre - übrigens immer in guten Weinjahren - in Massen auftritt, sowie die Gammaeule Autographa gamma, die Salate, Kohl, Erbsen und Klee befällt.

Da Raupen und ausgewachsene Falter unterschiedlich auf Lockstoffe, Abwehrmittel alias Repellentien und Insektizide reagieren, sollte jeder Bekämpfung von problematischen Schmetterlingen eine genaue Bestimmung samt Erhebung der Entwicklungsstadien vorausgehen.