Milben

Rostmilben sind Pflanzenschädlinge <br>© Christopher Pooley / USDA-ARSVon den in Österreich lebenden Milben sind nur wenige Vertreter schädlich bis gefährlich. Mit Ausnahme der Zecken handelt es sich bei Milben um kleinste Tiere, welche nahezu überall anzutreffen sind. Sogar lebende Gewebe von Menschen und Tieren werden von einzelnen Arten besiedelt.

Neben gefürchteten Krätze- oder Räudemilben, den Schmarotzermilben mit den Taubenzecken und Gemeinen Zecken, Vorratsmilben wie Mehl- und Käsemilben sowie den Haus- oder Polstermilben, verursachen noch einige Gallmilben und Laufmilben fallweise Probleme.

Gefährlich werden gelegentlich Zecken. Wegen der parasitären Ernährungsweise können sie Krankheiten übertragen. Dies erfolgt durch sechsbeinige Larven, achtbeinige Nymphen und ausgewachsene Weibchen. Zecken können in Jugendstadien länger als 1 ½ Jahre, als Erwachsene mehr als 2 Jahre hungern !

Der hierzulande bekannteste Vertreter ist die zu den Schildzecken gehörende Gemeine Zecke Ixodes ricinus alias Waldzecke oder Holzbock. Sie überträgt Früh-Sommer-Meningo-Encephalitis (FSME)-Viren und Borrelien, die Erreger der Borreliose. Es ist damit zu rechnen, dass Zecken künftig weitere Krankheitserreger auf Menschen sowie Tiere übertragen werden.


Taubenzecke <br>© Dr. Daniel SlamaZur Gefahr wird gelegentlich auch die zu den Lederzecken zählende Taubenzecke Argas reflexus, wenn sich befallene Tauben in der Nähe von Wohnbereichen aufhalten. Diese Zecken können manchmal in Wohnungen einwandern, um sich ihre Blutmahlzeit bei Menschen zu holen. Dies kann allergische Reaktionen mit Schwellungen, Schwindelanfällen, Erbrechen bis hin zu Kreislaufkollaps auslösen.

Aus den zwischen Mai bis August in Schlupfwinkeln abgelegten Eiern schlüpfen nach 4-6 Wochen sechsbeinige Larven, welche im Normalfall 1-2 Wochen an Taubennestlingen saugen. Über einen Zeitraum von 2-3 Jahren mit 2-4 achtbeinigen Jugendstadien und jeweils vorangehenden Blutmahlzeiten entwickeln sich die Larven zu erwachsenen Tieren, welche eine Lebensdauer von bis zu 11 Jahren erwartet ! Sowohl Nymphen als auch erwachsene Taubenzecken können über mehrere Jahre ohne Nahrung überstehen.

Große Schäden anderer Art richten in Mitteleuropa auch Vorratsmilben an.

Die nur 0,4 bis 0,5 mm kleine, weißlich durchscheinende Mehlmilbe Tyroglyphus farinae mit ihren rotbraunen Extremitäten ist meist in Mehllagern, Mühlen und Bäckereien zu finden. Dort schädigt sie auf zweifache Art. Einerseits frisst sie Vorräte, andererseits führt der Milbenbefall zu erhöhter Substratfeuchte und begünstigt Schimmelpilze. Fallweise werden deswegen ganze Lager an Vorräten ungenießbar.


Gallmilbe Lorryia formosa <br>© Christopher Pooley / USDA-ARSDie Weibchen legen an die 20 Eier, die sich in weniger als drei Wochen zu erwachsenen Tieren entwickeln können. Bei ungünstigen Bedingungen verharren sie bis zu zwei Jahren ohne Nahrung ! Massenhaftes Auftreten von Milben in Mahlprodukten kann nach dem Verzehr Dermatitis sowie Darmerkrankungen mit ernsten Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen und Tieren hervorrufen.

Ihr ähnlich ist die mit mehr und kürzeren Borsten ausgestattete Käsemilbe Tyrolychus casei. Sie befällt Käse, Schinken, Würste, Rauchfleisch und manche pflanzliche Produkte. Die Widerstandsfähigkeit gegenüber niedrigen Temperaturen kommt ihr in unseren Breiten zugute.

Ein hierzulande häufiger Vorratsschädling ist die Backobstmilbe Carpoglyphus lactis, welche sich von Süßwaren, Trockenfrüchten, Marmelade, Sirup und Fruchtsäften, Wein, Honig, Kakaobohnen, Erdnüssen, Erdäpfeln und Anderem ernährt. Diese durchsichtigen Tiere mit rötlichen Köpfen und Extremitäten können sich in zwei Wochen um mehr als das Hundertfache vermehren und das befallene Substrat schichtartig überziehen.

Zu den Vorratsmilben zählt auch die Haus- alias Polstermilbe Glycyphagus domesticus. Die nur 0,3-0,5 mm kleinen Tiere leben in Getreide, Sämereien, Lebensmittel, Polstermöbeln, Betten und Tapeten. Feuchtigkeit ist lebenswichtig, denn sie ernähren sich meist von Schimmelpilzen.


Rote Samtmilbe <br>© Jörg Hempel / WikipediaHausmilben sind lebhaft und können sich in etwas mehr als drei Wochen vom Ei zum geschlechtsreifen Tier entwickeln. Bei ungünstigen Bedingungen wird ein bis zu 5 Jahre überlebensfähiges Dauerstadium ohne Nahrungsaufnahme zwischengeschaltet! Die Weibchen legen etwa 30 Eier. BewohnerInnen von Wohnungen mit starkem Hausmilbenbefall klagen häufig über Juckreiz, Ausschläge und Asthma-Anfälle. Nicht nur Milben, sondern auch deren Exkremente, Larvenhäute und Kadaver können allergen wirken.

Häufig mit Hausmilben verwechselt werden Hausstaub- oder Bettmilben. Diese sind eine weitere Ursache für Allergien bei Menschen und können die Atmung ernsthaft beeinträchtigen.

Als Parasiten von Gliedertieren und Warmblütern leben Larven der Laufmilben. Hingegen ernähren sich erwachsene Tiere von Blattläusen und Pflanzen. Dazu gehört die 4 mm kleine Gemeine Samtmilbe Trombidium holosericeum, welche zwischen April und August häufig auftaucht.

Ein anderes Beispiel ist die Herbst- oder Erntemilbe Trombicula autumnalis, deren winzige rote Larven an Getreide- und Grashalmen lauern und die "Erntekrätze" hervorrufen.
Auch die Kugelbauchmilbe Pediculoides ventricosus kann Menschen befallen und starke Hautreizungen verursachen.

Die Laufmilbenfamilie der Spinnmilben ist von großer Bedeutung für den Pflanzenschutz.