Läuse

Von Blattläusen befallene Rose <br>© Radeldudel / WikiepdiaDie landläufige Bezeichnung „Läuse“ umfaßt unterschiedlichste Gruppen kleinster Insekten, ohne deren Stammbäume zu berücksichtigen. In diesen Topf geraten Pflanzenläuse wie z.B. Blattläuse, Schildläuse und Mottenschildläuse, weiters Staubläuse sowie die zu den Tierläusen zählenden Echten Läuse bis hin zu „Steinläusen“, welche in WIrklichkeit an Pilzrasen und der Mikroflora von Fassaden „grasende“ Milben sind.

Während hierzulande Blatt- und Schildläuse bedeutende Zielorganismen im Pflanzenschutz sind und Echte Läuse wieder an Bedeutung gewinnen, verursachen Staubläuse wie die weit verbreitete Bücherlaus Atropos pulsatoria nur in seltenen Ausnahmefällen Probleme, zB in Insektensammlungen.

Blattläuse sind in Mitteleuropa mit etwa 850 Arten vertreten. Die in Kolonien auftretenden Tiere sind Natur- und GartenfreundInnen ein gewohntes Bild. Bekannt sind diese Insekten auch als „Nutztiere“ von manchen Ameisenarten. Letztere „melken“ die meist an einer Stelle der Pflanzenoberfläche sitzenden Winzlinge, um den begehrten Honigtau zu gewinnen und verteidigen „ihre“ Läuse im Gegenzug gegen Räuber. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass Blattläuse den Wirtspflanzen oft mehr Säfte entziehen als notwendig, und dass im Überfluss produzierter Honigtau die Pflanzenatmung erschwert und Rostpilze begünstigt.


Röhrenblattlaus <br>© André Karwath / WikipediaNoch weniger bekannt sind die Entwicklungszyklen, welche bestimmen Arten explosionsartige Vermehrungen dank Jungfernzeugung ermöglichen. Deren Strategien mit Generations- und Wirtspflanzenwechsel machen sie zu bedeutenden Pflanzenschädlingen. Die Saugtätigkeit führt zur Fleckenbildung bis hin zur Austrocknung von Pflanzenteilen und kann Viren auf den Wirt übertragen. Die artenreichste Familie sind die durch röhrenartige Fortsätze am Hinterleib gekennzeichneten Röhrenläuse, welche mehrere in Wald- und Gartenbau gefürchtete Arten umfasst. Ein Beispiel ist die Sitka- alias Fichtenröhrenlaus Elatobium abietinum, welche in 3-4 jährigen Abständen bestimmte Fichten befällt. Auch einzelne Arten aus den Familien der Tannenläuse, Blasenläuse und Baumläuse entwickeln sich gelegentlich zu Baumschädlingen.

Eine Art aus der Familie der Zwergläuse, die hierzulande viel besungene Reblaus Viteus = Dactylosphaera vitifolii erlangte trotz minimaler Grösse von nur 0,3-1,4 mm internationale Berühmtheit auf Grund verheerender Schäden in Weingärten.

Ähnlich prolematisch gestalten sich Massenaufkommen von Schildläusen. Diese sind vor allem im Obstbau von Bedeutung. Die Probleme entstehen dabei weniger auf Grund der Saugtätigkeit, als wegen des injizierten, gelegentlich pilz- und virenbelasteten Speichels. Es kommt dadurch zu örtlichen Veränderungen im Stoffwechsel mit Verfärbungen, Deformationen, verzögerter Blüte und frühzeitigem Laubfall bis hin zum Absterben von Pflanzen.


Cochenillenschildläuse <br>© It-management / WikipediaOft werden die festsitzenden, unter den grauen bis braunschwarzen Erhebungen ihrer Rückenschildchen bestens getarnten Insekten gar nicht als Tiere erkannt. Vor allem Weibchen praktizieren die festsitzende Lebensweise und haben aus diesem Grund keine Flügel und nur verkümmerte Beine. Die meisten Arten wechseln die Wirtspflanzen. Die wachsige Verklebung des Schildes mit der Wirtspflanze ist nicht nur ein idealer Schutz gegen natürliche Feinde und widriges Wetter, sondern wehrt auch Insektizide erfolgreich ab. Wenige Spritzmittelformulierungen durchdringen diese natürliche Abschirmung.

Die Komplexität der Auswirkungen eines Schildlausbefalls wird aus dem Beispiel der nahezu in jedem heimischen Buchenbestand anzutreffenden Buchenwollschildlaus Cryptococcus fagisuga deutlich. Die Saugtätigkeit dieser Läuse eröffnet den Zugang für parasitäre Pilze, welche die Buchenrindennekrose hervorrufen.

Neben zahlreichen Schäden an verschiedensten Nutzpflanzen brachten Schildläuse der Menschheit auch Segen. Die Körperausscheidungen mancher Schildlausarten haben seit historischen Zeiten große Bedeutung - so der Schellack der Asiatischen Lackschildlaus Laccifer = Tachardia lacca, das hochwertige Wachs weiterer Arten aus Asien oder das biblische Manna der Mannaschildlaus Trabutina mannipara.


Weiße Fliegen <br>© gaucho / Wikipedia - GNU-FDL Freie Dokumentationslizenz (GFDL)Zu den 15 in Mitteleuropa vertretenen Mottenschildlausarten zählen die Weißen Fliegen wie die mit über 250 Wirtspflanzen extrem anpassungsfähige Art Trialeurodes vaporarium. Sie befällt unter anderem Gurken, Salate, Tomaten und Zierpflanzen wie Azaleen sowie Rhododendren. Den größten Schaden verursacht dabei der Honigtau als ideales Substrat für das anschließende Gedeihen von Russtaupilzen. Der Einsatz von Erzwespen der Art Encarsia formosa als natürliche Gegenspieler drängte die Schäden durch Weiße Fliegen deutlich zurück.

Auf ein ektoparasitäres Leben an tierischen Wirten sind die Echten Läuse spezialisiert. Hierzulande wieder verbreitet ist die Kopflaus Pediculus humanis capitis. Dieses 2 mm kleine Tier bewohnt das menschliche Kopfhaar und saugt Blut durch die Kopfhaut ihrer Opfer. Es verursacht dadurch Juckreiz und wird über Kopfbedeckungen, Polsterbezüge und direkten Haarkontakt, wie er vor allem bei Kindern schnell gegeben ist, leicht übertragen. Die Kopflaus ist wie die Filzlaus Phtirus pubis auf den Menschen spezialisiert und ein quälender Blutsauger. In vielen Regionen der Erde scheren ihretwegen die Eltern ihren Kindern die Köpfe zur Vorbeugung. Damit sinkt das Risiko der Übertragung gegen Null. Dementsprechend haben kurzhaarige und kahlköpfige Personen kaum Probleme. In Österreich hat die Kopflaus eine deutliche Renaissance erfahren und Kindergärten, Horte und Schulen haben mangels konsequenter Kopflausüberwachung und -bekämpfung häufig Probleme damit.