Käfer

Larve vom Gefurchter Dickmaulrüssler <br>© Dr. Daniel SlamaDie sehr vielfältige Ordnung der Käfer bringt auch in Österreich mehrere potentiell schädliche Arten hervor. Darunter finden sich gelegentliche Vorratschädlinge, Pflanzenschädlinge sowie Holz- und andere Materialschädlinge. Selten werden Käfer zur Gefahr für die Gesundheit von Menschen. Dies passierte zuletzt 2010 bei Listerieninfektionen in Österreich und Deutschland durch Quargl-Käse, welcher von Dungkäfern mit Krankheitserregern verunreinigt worden war.

Meist sind es die Larven, die für Käferschäden verantwortlich sind. Auf Grund deren vollkommener Entwicklung ähneln diese weder den Puppen noch ausgewachsenen Käfern.

In der regionalen Forst- und Holzwirtschaft sind einerseits Borkenkäfer, andererseits Bockkäfer, Splintholzkäfer sowie Poch-, alias Nage-, Bohr- oder Klopfkäfer wichtige Schädlinge.

Unter den heimischen Bockkäferarten ist der Hausbock, oder Holzbock Hylotrupes bajulus als ernste Gefahr hervor zu heben. Diese 20 mm lange Bockkäferart mag es warm und befällt überwiegend den Splintholzbereich von Weichholz mit einer Holzfeuchte bis zu 30 %. Die Weibchen legen reiskornartige Gelege mit bis zu 500 Eiern in Risse und Spalten.


Der Hausbock, ein gefährlicher Holzschädling in Österreich <br>© Dr. Daniel SlamaDessen Larven können im Extremfall über 15 Jahre lang fressen, bevor sie sich knapp unter der Holzoberfläche eine Puppenwiege einrichten und darin zurück ziehen. Zwischen April bis August verlassen die geschlüpften Käfer das befallene Holz durch 3-10 mm kleine, ovale Ausflugslöcher. Der Befall des Holzes ist oft am hervor rieselnden Bohrmehl erkennbar.

Ein Globalisierungsgewinner ist der mit Holzkisten aus Asien eingeschleppte Asiatische Laubholz-Bockkäfer Anoplophora glabripennis. Er bevorzugt Pappeln, Weiden und Zuckerahorn, befällt auch weitere Ahornarten, Ulmen und andere Weichhölzer. Er ist zur ernsten Bedrohung für derartige Bäume in Wäldern, Parks, Alleen und Gärten geworden.

In wärmeren Regionen am meisten gefürchtet sind Laubholzschädlinge aus der Familie der Splintholzkäfer, wovon bislang über 60 Arten beschrieben sind. Splintholzkäfer bevorzugen stärkehaltiges Holz wie jenes von Eiche, Esche, Nussbaum, Kastanie oder Ulme bzw. Tropenhölzer wie Abachi, Afzelia, Limba und Okoumé. Sie befallen Roh-, Schnitt-, Furnier- oder Sperrholz und Endprodukte wie Möbel, Fenster, Türen, Rahmen, Leisten, Parkettböden etc. Die Käfer hinterlassen darin kreisrunde, 0,8 bis 2 mm kleine Ausflugslöcher. Die Problematik dieser Schädlinge ist deren schnellen Larvenentwicklung von oft nur wenigen Monaten.


Ein weltweiter Vertreter ist der 2,5 bis 7 mm kleine Braune Splintholzkäfer Lyctus brunneus. Er ist auch in Österreich von Bedeutung. Die bescheidene Anforderung von nur 7,7 % Holzfeuchte hat den Vormarsch dieser Art entscheidend begünstigt. Die Weibchen legen bis zu Hundert Eier, woraus je nach Temperatur in 5-20 Monaten Käfern werden.

In diesen Breiten fällt außerdem der Linierte Splintholzkäfer L. linearis, auch „Baguette“- oder Parkettkäfer genannt, mit seiner Vorliebe für Eichenholz unangenehm auf.

Eine Käferfamilie von großer Bedeutung sowohl für den Holz-, als auch für den Vorratsschutz sind die Poch-, alias Nage-, Bohr- oder Klopfkäfer.

Bekannter ist der 3-5 mm kleine, dunkelbraun bis schwarz gefärbte Gemeine Nagekäfer Anobium punctatum als Holzwurm. Zwischen April und August fliegen die fertigen Käfer aus 1-3 mm kleinen, runden Löchern aus. Oft findet sich frisches Bohrmehl darunter. In ihrer Lebenszeit von wenigen Wochen paaren sich die Käfer wonach die Weibchen nach Eiablageplätzen unweit vom Schlupfort suchen. Weibchen legen bis zu 50 Eier einzeln oder in Gelegen in Ritzen von Weich- oder Hartholz ab. Bei ausreichender Substratfeuchte befallen sie auch altes Holz. Die bis zu 6 mm kleinen, gelblichweißen Larven entwickeln sich in 2-10 Jahren zu fertigen Käfern.


Der Brotkäfer, ein weit verbreiteter Vorratsschädling <br>© Siga / WikipediaDer ebenfalls zu den Nagekäfern gehörende, 2-4 mm kleine, ovale und rot- bis kaffeebraun gefärbte Brotkäfer Stegobium/Sitodrepa panice/um/a ist weltweit verbreitet. Er befällt trockenes Brot, Backwaren, Mehl, Nudeln, Suppenwürfel, Sämereien, Erdnüsse, Reis, Tee, Kakao, Trockengemüse, Paprika und andere Gewürze, Fischmehl, Bauchfleisch, Trockenpflanzen, Leinen bis hin zu Büchern und anderen Materialien. Die Weibchen legen 20-100, 0,5 mm kleine, ovale, weiße Eier im Zeitraum von 3 Wochen an oder nahe den Futterquellen ab. Etwa 4-6 Monate danach schlüpfen die Brotkäferlarven.

Eng mit diesem verwandt und sehr ähnlich ist der Tabakkäfer Lasioderma serricorne, welcher ein dichtes, graues Haarkleid trägt. Er bevorzugt Temperaturen ab 20° C und befällt neben Tabak auch Stärke, Ingwer, Feigen und anderes Dörrobst, Trockenmilch, -fisch etc. Diese Tiere können gut fliegen und sind nachmittags besonders aktiv.

Von den 1200 bekannten Rüsselkäferarten können einige auch in unseren Breiten Schäden verursachen. Neben Forstschädlingen wie dem 7,5 - 13 mm großen Braunen Rüsselkäfer Hylobius abietis, dem bedeutendsten Schädling an jungen Koniferen, spielt im Vorratsschutz, zB bei Getreide, Nudeln und anderen stärkehaltigen Produkten der 2,7 - 3,7 mm große Kornkäfer Sitophylus granarius eine Rolle. Dessen Weibchen legen innerhalb weniger Wochen bis zu 200 Eier. Daraus entwickeln sich Larven in 1 bis 4 Monaten zu flugunfähigen Käfern.


Reismehlkäfer <br>© Dr. Daniel SlamaIn wärmeren Regionen dominiert sein kleinerer Vetter, der Reiskäfer S. oryzae, welcher Reis, Hirse, Mais, Roggen, Weizen etc. bereits auf Feldern befällt. Bedingt durch Globalisierung und intensive Beheizung ist Letzterer auch in gemäßigten Breiten zum Konkurrenten für den Kornkäfer geworden.

Ähnlich vielfältige Speisezettel haben Vertreter der Speckkäfer.

Zu den schädlichen Speckkäfern zählt der 2-3 mm kleine, ovale, dunkelbraun bis schwarz gefärbte Khaprakäfer Trogoderma granarium. Während die Käfer selbst keine Nahrung aufnehmen, verursachen die bis zu 4,5 mm großen, gelbbraun gefärbten und stark behaarten Larven beachtliche Schäden. Sie befallen gelagerten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Reis, Getreideflocken, Hülsenfrüchte, Nüsse, Malz und Sämereien. Trotz vergleichsweise geringer Eianzahl von ca. 50 Eiern je Weibchen erreicht diese Art dank einer binnen nur eines Monats möglichen Entwicklung vom Ei bis zum Käfer rekordverdächtige Vermehrungsquoten. Rein rechnerisch könnte ein befruchtetes Weibchen jährlich Millionen Nachkommen hervorbringen. Die Larven überleben Temperaturen bis zum Gefrierpunkt und überdauern notfalls 3 Jahre ohne Nahrungsaufnahme!


Larve vom Pelzkäfer <br>© Dr. Daniel SlamaAbgesehen vom 7-10 mm großen Gemeinen Speckkäfer Dermestius lardarius, welcher allerlei tierische Produkte befällt, ist zudem der mit 3,5 bis 6 mm etwas kleinere Gemeine Pelzkäfer Attagenus pellio gelegentlich eine Gefahr für sonstige Güter wie Pelze und Wollprodukte, z.B. Teppiche.

Neben diesen Beispielen können auch Käfer aus anderen der etwa 200 Familien gelegentlich Schäden in Mitteleuropa anrichten. Da es sich bei schädlichen Käfern um eine sehr Gruppe handelt, sollte jede Bekämpfung von Käfern wohl überlegt sein.