Fliegen & Co

Pferdebremse <br>© Dennis Ray / WikipediaFliegen bilden mit Mücken die fast 150.000 Arten starke Ordnung der Zweiflügler. Die Fliegen werden ihrerseits in die Spalten- und Deckelschlüpfer unterteilt. Diese seltsamen Bezeichnungen beschreiben die Art und Weise, wie die Fliegen aus den Puppen schlüpfen.

Unter den Spaltenschlüpfern sind hierzulande nur einzelne Bremsen als Schädlinge von Bedeutung. In dieser Familie ernähren sich die Weibchen meist von menschlichem oder tierischem Blut, während die Männchen an Blüten saugen. Auffällig sind bei den Bremsen die bunt schillernden Augen und der seitlich die Brust überragende, hinten gerade abgestutzte Kopf. Die relativ großen Mundwerkzeuge verursachen schmerzhafte Stiche. Weibchen verschiedener Arten bevorzugen unterschiedliche menschliche Körperteile für die Blutmahlzeit. Während Tabanus-Arten überwiegend Hände, Arme und Oberschenkel anvisieren, „fliegen“ die Weibchen der Gattung Chrysops mehr auf die Hals- und Kopfregion ihrer Opfer.

Die Ernährungsweise der Weibchen lässt Bremsen zu potentiellen Überträgern von Krankheiten werden. Die nur im Freien lebende Regenbremse Haematopota pluvialis kann beispielsweise die Weil´sche Krankheit, Milzbrand und die infektiöse Anämie der Pferde übertragen.


Stubenfliege <br>© Noodle snacks / WikipediaViele Spaltenschlüpfer sind Jäger von Schädlingen und bereits aus diesem Grunde nützlich.
Die Deckelschlüpfer, welche Deckel ihrer Tönnchenpuppen mit einer Stirnblase aufsprengen, sind höher entwickelte Fliegen. Je nachdem, ob sie Schüppchen an der Flügelbasis haben oder nicht, werden deren über 100 Familien den Calyptrata bzw. Acalyptrata zugeordnet.

Unter Letzteren treten hierzulande Essig- oder Taufliegen, Halmfliegen, Minierfliegen, Fruchtfliegen und Käsefliegen sowie Bienenläuse als Schädlinge auf. Zu den Calyptrata gehören die meisten Hygieneschädlinge unter den Fliegen. Neben den Hausfliegen sind Fleischfliegen und Schmeißfliegen von primärer Bedeutung. Weitere Familien, die gelegentlich bei Vieh und Wild, in seltenen Fällen auch bei Menschen Probleme verursachen sind hoch spezialisierte Parasiten wie manche Magenbremsen, Dasselfliegen und Lausfliegen.

Als häufiger Vertreter der Hausfliegen legt die Grosse oder Gemeine Stubenfliege Musca domestica bis zu 800 Eier in Mist, Fäkalien oder anderen, sich zersetzenden Substanzen ab. Dabei kann es auch zur Übertragung von Erregern und in der Folge zum Ausbruch von Krankheiten wie Typhus, Cholera, Salmonellose sowie Maul- und Klauen-Seuche kommen.


Gemeine Stechfliege <br>© Fir0002 / WikipediaViele machten bereits unangenehme Bekanntschaft mit einer weiteren Hausfliegenart, der Gemeinen Stechfliege Stomoxys calcitrans und wunderten sich über die schmerzhaften Stiche dieser „Fliege“. Untrügliches Erkennungsmerkmal dieser auch Wadenstecher oder -beißer genannten, 6-7 mm kleinen Art ist der den Kopf überragende, nach vorne gerichtete Stechrüssel. Deren Fortpflanzung ähnelt jener der zuvor angeführten Art, weshalb die Tiere Erreger von Milzbrand, infektiöser Anämie und Ruhr übertragen können. Außerdem fungieren sie als Zwischenwirte für Geflügelbandwürmer.

Auch Fleischfliegen der Gattung Sarcophaga sind auf Grund einer vergleichbaren Lebensweise als Hygieneschädlinge prädestiniert. Die 10-17 mm großen Tiere mit der hellgrauen, gesprenkelten Brust und dem schachbrettartig gemustertem Hinterleib legen ihre Eier bevorzugt in Exkremente und Kadaver. Zudem belecken sie proteinreiche Lebensmittel wie Käse, Fleisch und Fisch, wodurch sich Infektketten schließen und Beeinträchtigungen der Gesundheit von Menschen auftreten können.

Fleischfliegen sind im Gegensatz zu Schmeißfliegen lebendgebärend oder ovolarvipar. Zu letzteren zählt die 14 mm kleine, aber wegen des metallisch blau glänzenden Hinterleibes sehr auffällige Blaue Fleischfliege oder Schmeißfliege Calliphora vicina. Die Maden der bis zu 1000, an eiweißreichen Substanzen abgelegten Eier je Weibchen schlüpfen oft noch am selben Tag.


Gemeine Steckmücke <br>© Jim Gathany / WikipediaDie Mücken umfassen etwa 45 Familien, wovon Stechmücken die weltweit gefährlichsten Schädlinge stellen. In den Tropen und Subtropen übertragen Stechmücken Krankheiten wie Malaria, Gelbfieber, Filariosen, Denghe-Fieber und Hirnhautentzündungen. In Österreich sind Steckmücken als Krankheitsüberträger und Auslöser von Allergien nur von geringer Bedeutung.

Die Weibchen der Gemeinen Stechmücke alias Hausgelse Culex pipiens überwintern oft in Kellern und anderen geschützten Örtlichkeiten. Die Eier werden in Schiffchen am Wasser abgelegt. Deren Weibchen werden meist erst mit der Dämmerung aktiv.

Besonders lästig sind die in Flussnähe die gelegentlich in Massen auftretenden, tagaktiven Überschwemmungsgelsen der Gattung Aedes. Vor dem Winter legen die Weibchen ihre Eier in der Überschwemmungszone ab, woraus ab dem Frühjahr die ersten Larven schlüpfen.

Potentiell gefährlich sind einzelne Arten der Familien der 0,5-3 mm kleinen, gedrungen gebauten Gnitzen mit ihren breiten, oft behaarten Flügeln.


Kohlschnake <i>Tipula oleracea</i> <br>© Andreas Wechsel / FotoliaKriebelmücken führen wegen der für Eiablagen nötigen Blutmahlzeiten zu Belästigungen für Menschen und Gefahren für Weidetiere. Im Frühjahr überfallen sie in Schwärmen die vom Stall auf die Weide getriebenen Tiere und verursachen immer wieder auch Todesfälle.

Zu erwähnen sind weiters die fliegenähnlichen Haarmücken und Schnaken. Die Larven mancher Arten treten gelegentlich als Wurzelschädlinge auf. Ein Beispiel ist die Kohlschnake Tipula oleracea, deren bis zu 1300 Larven je Weibchen nachts an Getreide, Klee und Salat fressen.

Gewisse Bedeutung haben auch manche Gallmücken, die Gallen an Pflanzen bilden und Schäden verursachen, wie die Hessenfliege Mayetiola destructor an Getreide.

Gelegentliche Schäden an Gemüse, Zierpflanzen und Champignonkulturen verursachen hierzulande einzelne Vertreter der 1-7 mm kleinen Trauermücken, welche ihren Namen wegen der dunklen Körperfärbung und Tönung der Flügel tragen.