Ameisen

Viele Ameisen mögen Zucker <br>© Dr. Daniel SlamaAmeisen sind wohl die erfolgreichste Familie unter den Insekten, wenn nicht im gesamten Tierreich. Diese mit den Wespen verwandten Hautflügler bevölkern nahezu alle Landflächen samt Teilen der Boden- und Vegetationsschichten. Sie machen ein Großteil der Biomasse unseres Planeten aus. Ihren Erfolg verdanken sie anatomischen und sozialen Anpassungen an unterschiedlichste Lebensräume.

Ameisen erbringen Höchstleistungen. Weberameisen können - kopfüber von einer Glasdecke hängend - das Hundertfache Ihres Körpergewichtes tragen. Dank ihrer eindrucksvollen Kräfte bewältigen Ameisen neben der Nahrungsversorgung auch gigantische Bauvorhaben und Migrationen.

Sie fressen überwiegend protein- und zuckerhaltige Kost pflanzlicher oder tierischer Herkunft. Deren Leistungskraft und Organisationsgrad machen sie zu den erfolgreichsten Räubern der Erde. Schätzungen zu Folge übersteigt allein die Masse der Beutetiere von Ameisen zur Aufzucht ihrer Larven jene der Opfer aller übrigen Fleischfresser inklusive den Menschen !

Ameisen sind Meister der Vergesellschaftung mit anderen Arten von Tieren und Pflanzen. Lange vor den Menschen hatten sie die „Nutztierhaltung“ eingeführt, wie deren wohl gehütete Blattlausbestände zeigen. Sie waren bereits Wanderhirten und Ackerbauern, als unsere Vorfahren noch in Bäumen lebten.


Fast alle Ameisen in Österreich sind schützenswert <br>© Dr. Daniel SlamaAmeisen leben meist in komplexen Staaten mit hochgradigen Spezialisierungen. Alles dient dem Fortbestand und dem Wohle des Volkes im „Hyperorganismus“ Ameisenstaat. Die Staatenvielfalt reicht von Kleinstgesellschaften mit wenigen Dutzend Individuen bis hin zu länderübergreifenden Kolonien in Milliardenstärke. Das Zentrum der Staaten bilden die Nester, welche im Boden, in Bäumen, Felsspalten oder anderen Hohlräumen - bis hin zu ausgehöhlten Früchten - angelegt werden. In den Nestern befinden sich meist auch die Königinnen, welche der Fortpflanzung dienen und bei manchen Arten ein Alter von über 30 Jahren erreichen ! Ameisenvölker der Arten aus Mitteleuropa leben fast ausnahmslos mit nur einer Königin.

Das Wissen über die Fortpflanzung der Ameisen konzentriert sich auf die geflügelten Geschlechtstiere, welche an schwülen Sommertagen in Massen zum Paarungsflug ausschwärmen. Auch wenn dieses Phänomen in Räumen auftritt, sollte man keinesfalls Insektizide versprühen und sich und die Umwelt dabei gefährden. Nur keine Panik aufkommen lassen und die Fenster öffnen, damit die Tiere aus den Innenräumen ins Freie gelangen.

Ideal ist es, in solchen Fällen festzustellen, woher das Schwärmen kommt. Dies ist der Zugang zum Nest und der beste Ansatzpunkt für eine allfällige Bekämpfung. Denn nicht die in Häusern ausschwärmenden Geschlechtstiere sind das Problem, sondern darin fortbestehende Staaten.


Ameisenköniginnen werden gut umsorgt. <br>© bkausbk / FotoliaDie ermatteten, männlichen Geschlechtstiere sterben ohnehin nach dem Hochzeitsflug, wenn ihre Mission erfüllt ist. Während dessen suchen die jungen Königinnen bereits nach geeigneten Nisthöhlen, worin sie erste Eier ablegen. Mit der Aufzucht einiger „Dienerinnen“ legt jede Königin den Grundstein für einen eigenen Staat.

Neben dieser verbreiteten Fortpflanzungsart, existieren weniger bekannte Abläufe. Bei manchen Arten treten sporadisch Geschlechtstiere auf. Bei anderen Arten gibt es männliche Tiere, die den Bau nie verlassen und permanent nach weiteren Geschlechtstieren durchsuchen. Ihr einziges Ziel scheint es zu sein, jede erreichbare Prinzessin zu begatten und jeden männlichen Artgenossen zu töten. Für Letztere gibt es allerdings auch eine Art „Schonzeit“.

Im Gegensatz zu warmen Ländern sind ernsthafte Schäden durch Ameisen in Österreich selten. Konflikte ergeben sich hierzulande vor allem, wenn sie auf ihren Plünderungsstreifzügen durch Küchen und andere Räumlichkeiten ihre Strassen ziehen oder darin ausschwärmen.

Aber Ameisen sind international auf dem Vormarsch. Gefährliche Kolonien, welche von der Öffentlichkeit unbeachtet Zug um Zug Europa erobern, nähern sich von Süden her in Richtung Österreich.


Bislang hat nur eine für den Menschen gefährliche Art die Einbürgerung geschafft: die aus den Tropen eingeschleppte Pharaoameise Monomorium pharaonis. Diese ca. 2 -2,5 mm kleine, honigfarbene Art gehört zu den Knotenameisen. Diese erkennt man an einem Knoten an der Wespentaille. Im Gegensatz zu heimischen Arten lebt die Pharaoameise in Staaten mit bis zu mehreren Hundert mobilen Königinnen und liebt proteinreiche Nahrung. Daraus resultieren Probleme. Deren Vorliebe für Fisch, Fleisch und Wurst einerseits, sowie für Haut, Blut, Wundsekretionen, Leichenteile und weitere Infektionsherde andererseits, lässt sie zum potenziellen Überträger von Krankheitserregern werden. Deshalb ist bei Pharaoameisen eine professionelle Schädlingsbekämpfung nicht nur sinnvoll, sondern dringend geboten und z.B. in Wien gesetzlich vorgeschrieben.

Die ebenfalls zu den Knotenameisen zählende Rasenameise Tetramorium caespitum ist ungefährlich, dringt aber gerne aus Gärten in Wohnräume ein. Diese 2,5 - 3 mm kleinen, hell rötlichbraun bis schwarz gefärbten Ameisen haben gelblichbraune Extremitäten und tragen zwei nach hinten gerichtete, dornenartige Fortsätze am Rücken. Sie bilden große Erdnester mit zahlreichen Pforten und aufgeschütteten Erdkuppeln an trockenen Stellen.


Glänzendschwarzen Holzameise <br>© Garinger / WikipediaFallweise werden Ameisen zur Gefahr für Holzgegenstände. Dafür sind hierzulande überwiegend Holzameisen der Gattung Lasius verantwortlich.

Die 4-6 mm kleinen Arbeiterinnen der Glänzendschwarzen Holzameise L. fuligiinosus bauen riesige Kartonnester in Bäume und besiedeln gelegentlich auch verbautes Holz. Deren Geschlechtstiere schwärmen von Juni bis Juli. Oft fällt diese Art als Lästling in Wohnräumen auf.

Ähnlich verhält es sich mit den 2,5 - 4,5 mm kleinen Arbeiterinnen der Braunen Wegameise L. emarginatus, die ihre Nester in altes Holz baut, nicht selten auch im Gebälk von Häusern.

Die Arbeiterinnen dieser ab Mai schwärmenden Art ähneln bis auf deren rotbraun gefärbten Brustsegment jenen der ebenfalls häufig lästig werdenden Mattschwarzen Holz- oder Wegameise L. niger. Letztere sind 3 - 5 mm klein und entgegen ihrem Namen hierzulande meist dunkelbraun gefärbt. Sie schütten bis zu 30 cm hohe Erdhügel über dem Nest auf.